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Auf der Suche nach dem passenden Weihnachtsgeschenk war ich neulich mit einem guten Bekannten aus Danzig unterwegs. Er mag Weihnachten nicht. Jedes Jahr der gleiche Trubel. Geschenke suchen, Geschenke kaufen, viel Geld für Dinge ausgeben, über die sich letzten Endes doch nur die Hälfte der Beschenkten wirklich freut und etwas anzufangen weiß. Und ist das Einkaufen erst einmal geschafft, muss er die Weihnachtsfeiertage mit Menschen verbringen, die er ohnehin fast das ganze Jahr nicht sieht und wenn, dann nur des schlechten Gewissens wegen.
Daher hat es sich mein Freund dieses Jahr leichter gemacht. Er war Anfang des Jahres nach Danzig gezogen und hatte dort zum ersten Mal vom Danziger Goldwasser gehört. Obwohl das Wasser mittlerweile nicht mehr in Danzig hergestellt wird, ist es doch noch sehr populär und man kann es überall erwerben. Das Goldwasser ist im Grunde ein Likör, in dem kleine Blattgoldstücken schwimmen. Mein Bekannter fand, dass es ein äußerst ansehnliches und raffiniertes Geschenk sei, da sich ja auch sonst niemand vom Goldankauf ernähren würde. Zudem erinnere das Wasser durch seine Gewürze, wie Kardamom und Zimt, ebenfalls sehr an Weihnachten. Er ließ es sich auch nicht nehmen, mir kurz die Geschichte seiner neuesten Errungenschaft mitzuteilen.
Man ist sich nicht ganz einig darüber, woher das Wässerchen seinen Namen hat, aber man munkelt, dass es mit der Blattgoldverarbeitung zusammenhängt. Demnach nutzten viele Handwerker in Danzig Blattgold zum Verzieren von allerlei Mobiliar. Um dieses zu befestigen, musste man das Blattgold mit einem in Alkohol getränkten Pinsel auf das zu verschönernde Stück streichen. Da die Prozedur wiederholt wurde, blieben auch einige Goldreste an dem Pinsel hängen und landeten letztlich wieder im Alkohol. Da Gold in geringen Mengen ungefährlich ist, wurde aus dem Zufall ein Einfall und man bot den Alkohol, verdünnt natürlich, zum Verkauf an.
Mein Bekannter meinte, dass ihn immer, wenn er etwas von dem Goldwasser trinkt, das Gefühl beschleicht, sein Zahngold würde sich über den Besuch seiner Artgenossen freuen. Ich denke, es ist eher der Alkoholanteil, der ihn zu diesem Gefühl verleitet. Immerhin hat Goldwasser 40% davon. Nun gut, solange er noch nicht auf die Idee gekommen ist, das Gold aus dem Wasser zu fischen und als Briefgold einzuschicken, muss ich mir, denke ich mal, keine Sorgen machen.